Osteoporose - eine Gefahr für Alle

Jeder Mensch baut im Alter ab - sei es an kognitiver Leistung, an Muskelmasse, oder auch an Knochenstrukturen. Dass dieser Prozess in so gut wie jedem Fall positiv beeinflussbar oder sogar umkehrbar ist, wissen dabei leider die Wenigsten. So leiden aktuell etwa 6 Mio. Deutsche an behandlungsbedürftiger Osteoporose.

Die Personen haben Knochenschmerzen (besonders im Rücken), typische Symptome sind eine erhöhte Bruchgefahr (vor allem im Oberschenkelhals, Wirbelkörper und Handgelenk), teils kommt es zu einem sog. "Witwenbuckel" durch das keilförmige Abflachen der Wirbelkörper und die Person wird kleiner. Ein einfacher Sturz kann somit rasch zu ernsthaften Brüchen führen, deren Behandlung langwierig und kompliziert wird.

15% der Frauen über 65 Jahre sind betroffen, Männer sind bis zum 75. Lebensjahr zu ca 30% von Frakturen betroffen, die auf Osteoporose zurückzuführen sind.

Die Entstehung von Osteoporose

Ab dem 40. Lebensjahr unterliegt jeder Mensch durch ein Überwiegen der Abbau-ggü. der Knochenaufbauprozesse einem durch das Alter bedingten Verlust an der Knochenmasse, ca. 0,3-0,5%/Jahr. Bis zum 50. Lebensjahr merken die Meisten nichts, aber danach beschleunigt sich der Abbau - auch ohne krankhaften Abbau reduziert sich die Knochenmasse auf etwa 50%(!) einer 30-jährigen Person. Dabei verlieren Männer tendenziell weniger (2/3) als Frauen.

Die typische Patientin für Osteoporose ist eine schlanke, weiße Frau mit geringer Sonnenexposition und einem meist sitzenden Alltag, die mehrere Kinder gestillt hat, raucht und eine kalziumarme Ernährung hat. Zwar trifft Osteoporose den Menschen schicksalshaft, gehört aber zu den zahlreichen endokrinologischen (hormonell bedingten) Erkrankungen, die eng mit der Lebensweise und Risikofaktoren in Verbindung stehen, die absehbar sind und ebenso teilweise verhindert werden können.

Um zu wissen, wie man Osteoporose behandeln kann, muss man erst einmal die Geschichte des eigenen Erbguts kennen. Unsere Erbanlagen passen sich nur sehr langsam den Gegebenheiten unserer Umwelt an, und diese ist heutzutage im Gegensatz zur Steinzeit sehr bewegungsarm. Unsere hochleistungsfähigen Körper sind auf intensive Belastungen ausgelegt, wenn diese nicht gegeben sind, werden die Strukturen abgebaut, da sie nur Ballast darstellen - bis zu einem Grad, wo es die Lebensqualität einschränkt. Ähnlich fehlt es uns auch in der Ernährung - sie ist mineralienarm, es fehlt an Kalzium und Magnesium. 

In 95% der Fälle führen multifaktorielle Ursachen zur Osteoporose, diese wird als primäre Osteoporose bezeichnet und noch weiter unterteilt in die postmenopausale Typ-1-Osteoporose, und die senile Typ-2-Osteoporose.

Typ-1-Osteoporose: die postmenopausale Osteoporose

  • Betroffene sind 50-70 Jahre alt
  • Das Verhältnis von weiblich:männlich liegt bei 6:1
  • Frakturen befinden sich in den WIrbelkörpern

 

Hauptursachen: Östrogenmangel

Typ-2-Osteoporose: die senile Osteoporose

  • Betroffene sind > 70 Jahre alt
  • Das Verhältnis von weiblich:männlich liegt bei 2:1
  • Frakturen befinden sich häufig im Schenkelhals, Radius, Humerus und den Wirbelkörpern

Hauptursachen: Alter, Bewegungsmangel, evtl. Mangel an Kalzium und Vitamin D (Sonnenlicht)


Die sekundäre Osteoporose besteht aus den 5%, wo speziell eine Ursache als der Auslöser diagnostiziert werden kann, z.B.: das Cushing-Syndrom, rheumatische Erkrankungen, Immobilisierung, Hypogonadismus (Unterfunktion d. Keimdrüsen), Diabetes Mellitus, Malabsorption und Maldigestion (unvollständige Verdauung) und Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion).

Prävention der Osteoporose und Behandlung durch Kraftsport

Um einem Abbau der Knochenmasse bereits vorweg entgegenzuwirken, empfiehlt sich Kraftsport (s. HIER) und eine kalzium- und magnesiumreiche Ernährung, inklusive ausreichend Sonnenstunden zur Vitamin-D-Produktion.

Wenn die Diagnose bereits eingetreten ist, sind folgende Grundsätze zu beachten:

  1. Der Trainingsreiz muss überschwellig sein, d.h., deutlich intensiver als die Alltagsbelastung
  2. Das Training muss speziell auf die Anpassungseffekte des Knochen ausgerichtet sein, d.h. auf die lokalen Effekte
  3. Die Reize müssen kontinuierlich und dauerhaft erfolgen, da die positiven Effekte ansonsten wieder verloren gehen
  4. Die individuellen Vorraussetzungen des Patienten müssen beachtet werden

Beispielhafter Trainingsplan für Krafttraining zur Knochenmineralisierung:

  • 2-3 x / Woche
  • 5-12 Ganzkörperübungen, 3 Sätze/Übung
  • 8 Wiederholungen
  • Intensität bei 75-85% des 1-RM (one rep max)

Beispielhafte Übungsauswahl für Training bei Osteoporose:

  • Oberschenkelhals/Hüftgelenk: Hüftabduktion, Hüftadduktion, Beinstrecken, Beinbeugen
  • Oberschenkel: Beinstrecken und -beugen, Beinpresse, Hüftadduktion, Hüftbeugung
  • Wirbelsäule: Rückenstreckung, Rückenzug vertikal/horizontal, Hüftstreckung
  • Handgelenke: Armbeugen, Armb. mit Supination, Trizepsdrücken am Kabelzug, Handgelenkbeugen und -strecken,-pronation und -supination

Fazit

Wenn es um unsere Gesundheit geht, stehen wir in der Schuld, unserem Körper das zu geben, was er braucht. Wenn man sein ganzes Leben leistungsfähig sein möchte und schmerzfrei, ist es unerlässlich, Kraftsport zu betreiben. Derzeit scheint die Zahl der von Osteoporose Betroffenen noch weiter anzusteigen, aber mit genug Aufklärung ist es möglich, diesen Trend umzukehren - mit wissenschaftlichen Fakten und praxisnahem Wissen.

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Literaturverzeichnis:

 

Netter, F. H. (1992). Farbantlanten der Medizin. Bewegungsapparat l. Anatomie, Embryologie, Physiologie und Stoffwechselkrankheiten (7. Aufl.). Stuttgart: Thieme. S. 217

 

Baumann, H. (2005). Effekt hoher mechanischer Belastung auf die Frakturwiderstandsfähigkeit ausgewählter Skelettregionen. Eine Querschnittsstudie mit Sportkletterern, Langstreckenläufern und Allroundern, Dissertation. Erlangen, Nürnberg: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erziehungswissenschaftliche Fakultät. Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nürnberg.

 

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American College of Sports Medicine (ACSM) (1998). Resource manual for guidelines for exercise testing and prescription (3. ed.). Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins.

 

American College of Sports Medicine (ACSM) (1998). The recommanded quantity and quality for exercise for developing and maintaining cardiorespiratory and muscle fitness and flexibility in healthy adults. Medicine & Science in Sports & Exercise 30, 975-991.

 

Graves, J. E. & Franklin, B. A. (2001). Resistance training for health and rehabilitation. Champaign, Ill: Human Kinetics.

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